Zielfotoanlage (Fotofinish)
Überqueren mehrere Teilnehmer die Ziellinie nahezu gleichzeitig, spricht man von einem Fotofinish. Mit bloßem Auge lässt sich nicht erkennen, wer die Linie zuerst überquert hat. Deshalb muss ein an der Ziellinie aufgenommenes Foto oder Video zur genaueren Prüfung herangezogen werden. Mitunter erklären die Veranstalter eines Sportereignisses ein Rennen sogar für ungültig. Ein Zielfoto verringert diese Gefahr erheblich oder schließt sie ganz aus. Zielfotos werden bis heute in nahezu allen modernen Rennsportarten eingesetzt. Auch wenn manche Sportarten elektronische Systeme nutzen, um die Teilnehmer während des Rennens zu verfolgen, gilt das Zielfoto als wichtigstes Beweismittel bei der Ermittlung des Siegers. Diese Fotos sind nicht nur bei knappen Rennen wichtig, sondern dienen auch dazu, die genaue Zeit jedes Teilnehmers zu bestimmen.
Zielfotokameras wurden in den 1940er- und 1950er-Jahren entwickelt, um im Rennsport eine überprüfbare Entscheidung zu ermöglichen und Betrug einzudämmen. In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Wetten auf Rennen immer verbreiteter, und den Veranstaltern wurde vielfach Korruption vorgeworfen. Sie wollten die Sieger daher genauer ermitteln. Zielfotokameras arbeiten meist mit dem Verfahren der Streifenfotografie (Strip Photography). Dabei ist die Kamera von einer erhöhten Position in einem Turm auf die Ziellinie gerichtet und zeichnet in vertikaler Richtung nur das Geschehen auf genau dieser Linie auf. Jeder Körperteil jedes Teilnehmers wird in dem Moment erfasst, in dem er die Linie überquert. Alles Unbewegte erscheint als horizontale Linie. Die horizontale Position steht für die Zeit, und anhand der Zeitmarken am unteren Bildrand lässt sich die genaue Durchlaufzeit jedes Teilnehmers ablesen. Der erhöhte Blickwinkel ermöglicht es den Kampfrichtern, die Position jedes Teilnehmers relativ zu den anderen zu erkennen. Ein gewöhnliches Foto zeigt verschiedene Orte zu einem einzigen festen Zeitpunkt. Die Streifenfotografie vertauscht Zeit und Raum: Sie zeigt verschiedene Zeitpunkte an einem einzigen festen Ort. Der Hintergrund des fertigen Bildes ist oft einfarbig weiß – tatsächlich handelt es sich um einen kontinuierlichen Scan der aufgemalten Ziellinie. Je nachdem, wie sich Arme und Kopf beim Überqueren der Linie bewegen, können die Teilnehmer im Bild verzerrt wirken. Bleibt ein Körperteil relativ zum Verschlussspalt stehen oder bewegt er sich rückwärts, erscheint er im Bild gestreckt. Überquert ein Körperteil die Linie schneller als der übrige Körper, erscheint er verkürzt.
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